Der Berliner Komponist und Aktionskünstler Johannes Kreidler hatte erst im Sommer mit einer provokanten Aktion gegen die GEMA und das Urheberrecht für Aufmerksamkeit gesorgt.
So komponierte er ein avantgardistisches Musikstück aus über 70.000 digitalisierten Zitaten, die er prompt auch alle formgerecht (Papierbögen) bei der GEMA ablieferte, um auf deren Bürokratie und allgemeine Probleme des Urheberrechts hinzuweisen.
Immerhin führte die Aktion dazu, dass Kreidler tatsächlich eines Tages an einem Tisch mit GEMA-Verantwortlichen saß und die Problematik diskutieren konnte.
Wie allerdings das Innenministerium auf Kreidlers neueste Aktion reagieren wird, ist noch unklar. Jedenfalls kommen weder Minister Schäuble, noch das Bundeskriminalamt besonders gut dabei weg. Und ganz nebenbei wischt der streitbare Künstler auch der GEMA noch eins aus…
Das Gute an Kreidlers Aktionskunst ist, dass man bei aller überzogener Symbolik eine Menge wahnwitziger Realitäten vor Augen geführt bekommt…
…sofern man sich sieben Minuten Zeit nimmt und sich das Video ansieht, in dem Johannes Kreidler seine Aktion “Call Wolfgang – Terrorist Generated Content” genau erklärt und natürlich auch deren Hintergründe:
Kreidler sieht Deutschland auf dem direkten Weg in den Überwachungsstaat. Unter dem Deckmantel “Schutz vor Terrorismus” seien zahlreiche Gesetze und Regelungen geschaffen worden, die Millionen von harmlosen Bürgern ausspionieren und pauschal zu Kriminellen/Terroristen erklären.
Der Künstler erläutert weiterhin, Menschen würden aufgrund simpelster Verdachtsmomente, wie der Verwendung bestimmter “auffälliger” Wörter in Texten, überwacht und inhaftiert. Er nennt dabei ein konkretes Beispiel und erläutert außerdem die Problematik der umstrittenen Vorratsdatenspeicherung.
Johannes Kreidler hat zwei Rechner eingerichtet, die per VoIP-Verbindung miteinander “telefonieren”. Dabei generieren Sprachroboter zufällige Texte, die allerdings mit gewissen “verdächtigen” Schlagworten versehen sind: Bombe, Koran-Verse, Dollar, Prekarisierung und weitere.
Die beiden Computer kommunizieren nicht direkt miteinander, sondern über einen Server im Iran, woraus die “Terrorgefahr” aus Sicht des BKA sicher enorm ansteigen dürfte.
Schlussendlich versieht Kreidler das Zufallsgespräch der Roboter mit einer seiner Kompositionen als Hintergrundmusik. Da auch diese Musik per Vorratsdatenspeicherung aufgezeichnet und potentiell von BKA-Beamten abgehört werden kann, sieht Kreidler hier eine Verletzung seines Urheberrechts und fordert die GEMA auf, das Bundeskriminalamt diesbezüglich zu belangen.
Ich kann diese Form des künstlerischen Protestes nur unterstützen. Auch aus meiner Sicht werden Zensur und Überwachung in Deutschland wieder einmal salonfähig gemacht.
Kreidlers Kunst mag so manchem überzogen vorkommen, seine Motive sind es aber leider nicht.
Wer sich näher mit der Materie befassen möchte, kann Johannes Kreidler auf seiner Homepage besuchen.
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